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Historisches


Historisches über Bunzlauer Keramik

Als Bunzlauer Keramik werden keramische Erzeugnisse aus der Stadt Bunzlau in Niederschlesien (heute poln. Boleslawiec) und ihrer Umgebung bezeichnet.

Bunzlauer Keramik hatte bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges eine große wirtschaftliche Bedeutung und war darüber hinaus mit ihrem typischen Dekor stilbildend. Ein besonderer Vorzug dieser Tonwaren war ehedem ihre Feuerfestigkeit. Damit konnten aus diesem fast weiß bis leicht ocker brennenden Scherben Koch- und Schmortöpfe sowie Kannen zum Warrnhalten der Getränke auf der Herdplatte hergestellt werden. Bunzlauer Keramik, vor allem das Braunzeug, fand weite Verbreitung, nicht nur in Deutschland, sondern wurde auch nach Skandinavien, England, Holland, die Schweiz, selbst nach Übersee exportiert. Herausragende Eigenschaften der Bunzlauer Keramik waren die Temperaturwechselbeständigkeit und ihre Freiheit von Haarrissen. Der im Bunzlauer- Naumburger Tonbecken geförderte Ton wurde bei bis zu 1260 Grad Celsius gebrannt und galt im gebrannten Zustand als hochgebrannte Irdenware. Dieser Scherben war trotz hoher Brenntemperatur nicht gesintert, also noch etwas porös und konnte dadurch Temperaturwechsel gut überstehen. Die aufgeschmolzene Lehmglasur - ursprünglich reiner niedrigschmelzender rotbrauner Lehm - machte die Keramik dicht für alle Arten von Flüssigkeiten. Während in anderen europäischen Töpfergegenden noch lange Zeit viel Blei verwendet wurde, war die frühzeitige Bleifreiheit der verwendeten Glasuren ein wesentlicher Beitrag zum großen Erfolg der Bunzlauer Keramik.

Neuerungen im Töpferhandwerk förderte die 1898 in Bunzlau nach österreichischem Vorbild gegründete Königliche, später Staatliche Keramische Fachschule. Bis zuletzt gab es neben der industriellen Fertigung in Bunzlau und Umgebung eine Vielzahl von Handtöpfereien in Familienbesitz, die auf der Scheibe drehten oder in Gipsformen gossen. In unmittelbarer Konkurrenz zu den Töpfereien in der Stadt Bunzlau standen die Werkstätten in der Nachbarschaft, die durch abgewanderte Töpfer gegründet wurden, zum Beispiel in Naumburg am Queis, Tillendorf und Ullersdorf. Der Erfolg der Bunzlauer Keramik führte zu Nachahmungen in anderen Töpferorten, die dann auch unter diesem Gattungsnamen verkauft wurden. Die Töpfer in Bunzlau und Umgebung versuchten sich deshalb mit dem Markenstempel "Original Bunzlau" zu schützen. Herstellermarken findet man vorzugsweise auf den mehr industriell gefertigten Produkten; auf älteren, insbesondere auf der Töpferscheibe gedrehten Tonwaren fehlen sie. Mit der Vertreibung der deutschsprachigen Bevölkerung Niederschlesiens nach dem Zweiten Weltkrieg fand die Produktion ein jähes Ende. Altes Bunzlauer Geschirr ist heute noch in vielen Haushalten und auf Flohmärkten und Auktionen zu finden. Bekannte Töpfereien waren Gleisberg, August Hude, Julius Paul und Sohn, Hugo Reinhold & Co und Edwin Werner.

Entwicklung des Dekors

Die nachstehend beschriebenen Dekortechniken waren dominierend. Aufwändige Methoden wie Reliefdekor oder aufgelegter Dekor haben zwar hohen künstlerischen Stellenwert, waren aber wenig verbreitet und sind daher hier zu vernachlässigen.

Lehmglasur

Die Lehmglasur war die älteste Technik; sie wurde - zumindest für Vorratsgefaße - bis 1945 durchgängig verwandt. Sie gibt einen kräftigen Braunton, der durch besonderen Glanz auffallt. 1936 belebte die Keramische Fachschule Bunzlau die Lehmglasur unter dem Namen Aktion Bunzlauer Braunzeug wieder, um unter nationalsozialistischem Einfluss die alten Handwerkstraditionen zu fördern. Das daraus hervorgehende, mit weißen Tonapplikationen dekorierte Tischgeschirr hatte großen Erfolg, bis die Produktion zu Beginn des Krieges eingestellt wurde. Eine strengflüssige weiße Glasur oder eine leichtschmelzende weiße Engobe wurde dazu auf die rohe Lehmglasuroberfläche aufgemalt und verschmolz mit dieser leicht. Diese Technik führte zu weichen, leicht unscharfen Konturen der Dekore.

Schwämmeldekor | Schwammdekor

Im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts setzte sich vorzugsweise für Tisch- und Haushaltsgeschirr zunehmend das Schwämmeldekor (auch Schwammdekor) durch. Dazu werden mit passend geschnittenen Schwämmchen - dem Elefantenohrschwamm kleine farbige Ornamente aufgestempelt. Sehr beliebt waren konzentrische Tupfer in unterschiedlicher Farbe, die Pfauenaugen, die durch Engobe-, seltener durch Pinselmalerei ergänzt wurden. Bunzlauer Keramik mit diesem Dekor erhielt dafür 1905 bei der Weltausstellung in London die Goldmedaille flir cadmium- und bleifreies Geschirr.

Pinselmalerei

Hier war die Malflüssigkeit dünner in der Konsistenz, die mit einem Pinsel aufgetragenen Ornamente sind flächiger - häufig finden sich Motive aus der Pflanzenwelt.

   
Schwämmeldekor | Schwammdekor Pinselmalerei

Auch polnische Manufakturen führen diese Töpferkunst des vorigen Jahrhunderts wieder fort. Bunzlauer Keramik wird zwar nicht mehr auf der Töpferscheibe gedreht, aber die Keramik wird nach alten Formen und in Handarbeit hergestellt. Gefertigt werden die alten bekannten Dekore wie das Pfauenauge, aber auch neue Dekore. Mittlerweile gibt es im heutigen Boleslawiec mehrere Manufakturen, die auf die Herstellung von Bunzlauer Keramik spezialisiert sind. Aufgrund der hohen Qualität erlebt die Bunzlauer Keramik eine neue Blüte: Sie ist für Geschirrspüler und Mikrowelle geeignet und feuerfest.

Der Text steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation.

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Wußten Sie schon...

... dass Bunzlauer Keramikgeschirr spülmaschinenfest ist?

... das Bunzlauer Keramik Geschirr bei 1250 - 1280 °C gebrannt wird und somit absolut lebensmittelecht ist?

... das Keramik aus Bunzlau sich auch für Backofen und Mikrowelle eignet und zudem noch zum Einfrieren verwendet werden kann?


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